Glücksspiel-Monopol in Österreich: Poker um 13 neue Casino-Lizenzen ab 2027

Ein ehemaliger Manager von Casinos Austria fordert faire Chancen für Herausforderer bei der kommenden Vergabe von 13 Spielbank-Konzessionen. Steht eine Marktöffnung bevor?
In der österreichischen Glücksspielwelt bahnt sich ein gewaltiges Beben an. Seit fast sechs Jahrzehnten dominiert Casinos Austria den Markt, doch nun regt sich Widerstand. Niklas Sattler, ein ehemaliger Manager des Unternehmens, hat mit Alea Trust eine Gruppe von über 40 Experten versammelt, um die verkrusteten Strukturen im Alpenstaat aufzubrechen. Es geht um viel Geld und Einfluss: Für das Jahr 2027 steht die Neuausschreibung der landbasierten Casino-Konzessionen an, und der Entwurf der Regierung sorgt bereits im Vorfeld für scharfe Kritik. Sattler sieht eine dringende Notwendigkeit für frischen Wind und mehr soziale Verantwortung in einer Branche, die er als veraltet und wenig wettbewerbsorientiert beschreibt.
Der Kern des Streits liegt in der Art und Weise, wie die insgesamt 13 geplanten Lizenzen vergeben werden sollen. Bisher hält Casinos Austria alle 12 bestehenden Konzessionen, aufgeteilt in ein Stadtpaket und ein Landpaket. Der neue Gesetzesentwurf sieht zwar eine zusätzliche 13. Lizenz vor, lässt aber die Hintertür offen, diese erneut in Paketen zu bündeln. Dies wäre ein massiver Nachteil für kleinere Akteure oder spezialisierte Betreiber, die vielleicht nur an einem einzelnen Standort interessiert sind. Sattler warnt davor, dass eine solche Struktur den Wettbewerb im Keim ersticken würde, da nur Giganten wie der amtierende Monopolist oder große internationale Konzerne wie Merkur in der Lage wären, solche Komplettpakete zu stemmen.
„Unsere Vision ist viel mehr darauf ausgerichtet, den Spielern und der Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Wir erzielen natürlich Einnahmen, aber wir müssen etwas für die regionale Gemeinschaft tun, durch Investitionen oder Sponsoring, und in einem angemessenen Gleichgewicht arbeiten.“ - Niklas Sattler, Gründer von Alea Trust
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors ist enorm. Laut dem jüngsten Bericht der staatlichen Holding ÖBAG beliefen sich die konsolidierten Bruttospielerträge (Gross Gaming Revenue, GGR) von Casinos Austria im Jahr 2024 auf fast 1,87 Milliarden US-Dollar, bei einem Nettoergebnis von 225 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 3.223 Mitarbeiter. Aktuell hält der Staat über die ÖBAG eine Beteiligung von 33 Prozent an Casinos Austria. Die neuen Pläne sehen 13 Lizenzen vor, eine mehr als der derzeitige Bestand. Zudem sieht der Entwurf vor, dass die sechs Lizenzen für Stadtcasinos, die eigentlich Ende 2027 auslaufen, bis zum 31. Dezember 2028 verlängert werden können, was eine Neuausschreibung faktisch verzögert.
Hintergrund
Österreich gilt zusammen mit Polen als eines der letzten EU-Länder, das hartnäckig an einem Monopolsystem festhält, insbesondere im Online-Bereich über die Marke Win2day. Die Europäische Union blickt schon lange kritisch auf die Alpenrepublik, da die Trennung zwischen Regulator und Profiteur oft verschwimmt. Das Finanzministerium fungiert als Lizenzgeber, gleichzeitig profitiert der Staat direkt von den Gewinnen des Monopolisten. Rechtsanwalt Arthur Stadler weist darauf hin, dass die Vergangenheit gezeigt hat, wie problematisch diese Verflechtungen sind. Tenders in den Jahren nach 2010 wurden teilweise gerichtlich aufgehoben, weil Transparenz- und Gleichbehandlungsgrundsätze verletzt wurden. Experten wie Nicole Daniel von DLA Piper befürchten, dass die nun gesetzlich verankerte Möglichkeit der Paketbildung erneut Klagen vor dem Verfassungsgerichtshof nach sich ziehen wird.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die im Urlaub in Österreich gerne eine Spielbank besuchen oder online aktiv werden, ist diese Entwicklung von großer Bedeutung. In Deutschland ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) das Maß der Dinge. Hier wurde der Markt bereits für private Anbieter geöffnet, sofern sie sich an strenge Regeln halten. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg, das 1 Euro Einsatzlimit pro Spin bei Online-Slots und die Anbindung an das zentrale Aufsichtssystem LUGAS sowie die Sperrdatei OASIS. Österreich steuert nun auf ein Modell zu, das ebenfalls moderne Spielerschutzstandards wie altersabhängige Verlustlimits und eine unabhängige Glücksspielbehörde vorsieht. Eine Liberalisierung in Österreich könnte langfristig zu einer Harmonisierung der Standards im deutschsprachigen Raum führen, was die Rechtssicherheit für grenzüberschreitend aktive Spieler erhöht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen in direktem Wettbewerb zu den Angeboten im DACH-Raum. Die GGL-Whitelist garantiert höchste Sicherheit, während MGA- oder Curacao-Plattformen oft als negative Graumarkt-Beispiele dienen. Sollte Österreich seinen Online-Markt tatsächlich für mehr als nur einen Anbieter öffnen, müssten sich lizenzierte deutsche Casinos auf neue Konkurrenten aus dem Nachbarland einstellen. Gleichzeitig bietet ein rechtskonformer, liberalisierter österreichischer Markt eine Chance für deutsche Betreiber, ihre bewährten Spielerschutz-Konzepte auch südlich der Grenze anzubieten. Stabile Regeln in Österreich würden den Schwarzmarkt mit illegalen Anbietern schwächen, was ganz im Sinne der GGL ist, die einen sauberen und kontrollierten Markt anstrebt.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).





