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Finnlands Weg zur Glücksspiel-Lizenz: Sorge vor Abwanderung in den Schwarzmarkt

28. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Finnlands Weg zur Glücksspiel-Lizenz: Sorge vor Abwanderung in den Schwarzmarkt

Finnland öffnet 2027 seinen Online-Glücksspielmarkt. Doch Experten warnen: Strenge Regeln könnten Spieler zu illegalen Anbietern treiben, da die Kanalisierungsrate bereits auf 50 Prozent sank.

Finnland steht vor einem gewaltigen Umbruch in seiner Glücksspielgeschichte. Das skandinavische Land, das weltweit eine der höchsten Beteiligungsraten am Glücksspiel aufweist, verabschiedet sich von seinem langjährigen Staatsmonopol. Ab dem 1. Juli 2027 soll ein neues Lizenzmodell in Kraft treten, das den Markt für private Anbieter von Online-Casinos und Sportwetten öffnet. Bisher hielt das staatliche Unternehmen Veikkaus alle Trümpfe in der Hand, doch deren Marktmacht bröckelt zusehends. Während Veikkaus im Jahr 2017 noch einen Bruttospielertrag (GGR) von 1,8 Milliarden Euro verzeichnete, sackte dieser Wert bis 2025 auf etwa 931 Millionen Euro ab. Das zeigt deutlich: Die Finnen spielen längst woanders.

Die Sorge unter Experten und in den Medien wächst, dass die geplanten Regulierungen so streng ausfallen könnten, dass der legale Markt gegenüber Offshore-Alternativen den Kürzeren zieht. Die Debatte dreht sich vor allem um die Balance zwischen strengem Spielerschutz und wirtschaftlicher Attraktivität. Wenn die Hürden für legale Anbieter zu hoch sind, wandern die Kunden in den unregulierten Raum ab, wo keine Schutzmaßnahmen greifen. In Finnland liegt die sogenannte Kanalisierungsrate – also der Anteil des Geldes, der im kontrollierten Markt bleibt – derzeit nur noch bei schätzungsweise 50 Prozent. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei stolzen 90 Prozent.

Zahlen und Fakten

Der finnische Markt ist trotz der geringen Bevölkerungszahl hochinteressant für Betreiber. Für das Jahr 2026 wird ein Gesamt-GGR von rund 1,9 Milliarden Euro prognostiziert. Davon entfallen etwa 1,1 Milliarden Euro auf Gaming-Angebote und 269 Millionen Euro auf Sportwetten. Beeindruckend ist der Online-Anteil: Fast 81 Prozent des gesamten Bruttospielertrags in Finnland werden über digitale Kanäle generiert. Das neue Gesetz sieht vor, dass lizensierte Online-Anbieter eine Steuer von 22 Prozent auf ihren GGR zahlen müssen. Zudem werden jährliche Aufsichtsgebühren fällig, die je nach Umsatz zwischen 4.000 Euro und 434.000 Euro liegen können. Letzterer Höchstsatz greift bei Unternehmen mit einem GGR von mindestens 50 Millionen Euro.

Ein Blick über die Grenze nach Schweden dient vielen Beobachtern als Warnung. Schweden öffnete seinen Markt bereits 2019 und strebte eine Kanalisierung von 90 Prozent an. Die schwedische Regulierungsbehörde Spelinspektionen gab jedoch zu, dass dieses Ziel möglicherweise zu ehrgeizig war. Zwar gibt es dort mittlerweile rund 100 aktive Lizenzen, doch der Schwarzmarkt bleibt hartnäckig. Daniel Valiollahi von der schwedischen Online-Glücksspielvereinigung BOS kritisierte bereits, dass die Behörden oft nicht genug Handhabe gegen im Ausland ansässige Betreiber haben.

Hintergrund

Die finnische Regierung unterliegt einem gewissen Erfolgsdruck. Das Ziel der Liberalisierung ist nicht nur die Transparenz, sondern auch die Sicherung von Steuereinnahmen, die dem Staat durch das schwächelnde Monopol verloren gehen. Doch die geplanten Einschränkungen bei Boni und Marketing rufen Skepsis hervor. Jarkko Nordlund von Veikkaus wies darauf hin, dass im kommenden Rahmenwerk bisher keine wirklich effektiven Mechanismen existieren, um Zahlungen an Schwarzmarkt-Anbieter zu blockieren. Kritiker fordern daher, dass der finnische Regulator aktiver werden muss als bisher geplant.

„Das Ziel besteht nicht einfach darin, das Glücksspiel zu regulieren, sondern auch die Spieler davon zu überzeugen, im regulierten Markt zu bleiben, wo die Behörden Maßnahmen zum verantwortungsvollen Glücksspiel und zum Verbraucherschutz durchsetzen können." - Unbenannter Kommentar, Helsinki Times (via FocusGN)

Die Herausforderung besteht darin, dass die Verwendung der finnischen Sprache auf Webseiten künftig strenger kontrolliert wird. Bisher war es für Graumarkt-Anbieter legal, finnischsprachige Seiten zu betreiben, solange sie nicht direkt in Finnland warben. Das wird sich ab 2027 ändern. Dennoch bleibt die Frage offen, ob technische Blockaden oder finanzielle Sanktionen gegen Offshore-Firmen ohne festen Sitz in der EU überhaupt greifen können.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist die Entwicklung in Finnland hochgradig relevant, da Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) einen ähnlichen Weg der strikten Regulierung eingeschlagen hat. Die finnischen Sorgen spiegeln exakt die Diskussionen wider, die wir hierzulande führen. In Deutschland sorgen das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an Slots oft für Unmut. Hinzu kommt die Überwachung durch das LUGAS-System, das Spielpausen und Limits spielerübergreifend kontrolliert. Wer sich durch diese strengen deutschen Regeln eingeschränkt fühlt, gerät oft in Versuchung, nach unlizensierten Alternativen zu suchen. Finnland steht nun vor der gleichen Aufgabe: Sie müssen ein System schaffen, das sicher ist, aber den Spielspaß nicht so sehr drosselt, dass die Nutzer zu Krypto-Casinos ohne Schutz ausweichen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen in einem ständigen Wettbewerb mit dem Schwarzmarkt. Die finnische Situation zeigt, dass hohe Steuersätze (in Deutschland 5,3 Prozent auf jeden Einsatz bei Slots) und strenge Bonus-Vorgaben die Kanalisierung gefährden können. GGL-lizenzierte Anbieter müssen ihren Mehrwert durch Rechtssicherheit und schnellen Spielerschutz betonen, während sie gleichzeitig hoffen, dass die Behörden konsequent gegen illegale Anbieter vorgehen. Finnlands Plan, die Nutzung der Landessprache als Kriterium für Illegalität heranzuziehen, könnte auch für die GGL ein Vorbild sein, um noch härter gegen Anbieter aus Übersee vorzugehen, die gezielt deutsche Kunden ansprechen. Letztlich zeigt das Beispiel Finnland, dass ein legaler Markt nur dann funktioniert, wenn die legalen Angebote konkurrenzfähig bleiben.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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