Verkaufspläne auf den Philippinen: Personalfrage drückt Preise für PAGCOR-Casinos

Die Privatisierung von 40 Casino Filipino-Filialen steht vor rechtlichen Hürden. Laut Geronimo Law könnten Übernahmepflichten für Angestellte die Gebote deutlich senken.
Die philippinische Glücksspielwelt steht vor einem massiven Umbruch, der auch internationale Investoren hellhörig macht. Die staatliche Regulierungsbehörde Philippine Amusement and Gaming Corp, kurz PAGCOR, plant den Verkauf ihrer eigenen Spielstätten-Kette Casino Filipino. Was oberflächlich nach einem lukrativen Deal für private Betreiber aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als arbeitsrechtliches Minenfeld. Eine aktuelle juristische Analyse der philippinischen Anwaltskanzlei Geronimo Law warnt nun davor, dass die Bedingungen für das Personal zum Zünglein an der Waage bei der Preisgestaltung werden könnten. Werden die Käufer gezwungen, die gesamte Belegschaft zu übernehmen, sinkt der Wert der Gebote massiv.
Der Prozess umfasst etwa 40 Filialen und Satelliten-Standorte, die bisher unter staatlicher Ägide geführt wurden. Alejandro Tengco, der Vorsitzende und CEO von PAGCOR, hat das Ziel ausgegeben, die Privatisierung bis Ende des Jahres 2026 voranzutreiben. Doch der Teufel steckt im Detail der Transaktionsstruktur. Da der Verkauf als sogenannter Asset Sale, also ein Verkauf von Vermögenswerten, und nicht als Share Sale geplant ist, gehen die Arbeitsverhältnisse nicht automatisch auf den neuen Eigentümer über. Das gibt den Bietern eine starke Verhandlungsposition. Sie können sich die Rosinen herauspicken und nur hochqualifizierte Fachkräfte wie Techniker für Spielautomaten oder erfahrene Dealer übernehmen, während der Rest der Belegschaft bei der staatlichen Behörde verbleibt oder abgefunden werden muss.
Zahlen und Fakten
In der Analyse von Geronimo Law wird deutlich, dass das Interesse an geschultem Personal zwar vorhanden, aber selektiv ist. Die Kanzlei skizziert drei mögliche Szenarien für die Mitarbeiter. Erstens eine Versetzung innerhalb der PAGCOR, zweitens die Anstellung durch den Käufer oder drittens die Trennung vom Unternehmen inklusive Abfindungen und Rentenzahlungen. Da die Betroffenen als Beamte gelten, unterliegen sie speziellen Regeln für staatliche Reorganisationen. Die Kosten für diese Trennungen könnten immens sein, weshalb die Regierung versucht, die Last auf die Käufer abzuwälzen.
„Jede Verpflichtung für erfolgreiche Bieter, einen Teil der betroffenen Belegschaft zu übernehmen, würde sich nur aus den Ausschreibungsbedingungen und dem Kaufvertrag ergeben, nicht aber aus dem bestehenden Arbeitsrecht." - Kanzlei Geronimo Law, juristische Analyse zur Privatisierung
Besonders kritisch wird gesehen, dass übernommene Mitarbeiter bei einem privaten Betreiber ein völlig neues Arbeitsverhältnis beginnen würden. Dienstjahre und daraus resultierende Ansprüche aus der Zeit bei PAGCOR würden nicht automatisch übertragen, es sei denn, dies wird explizit vertraglich geregelt. Für potenzielle Käufer bedeutet eine Pflicht zur Personalübernahme ein finanzielles Risiko, das sie durch niedrigere Kaufpreisangebote ausgleichen wollen. Damit steht die PAGCOR vor einem Dilemma, da sie einerseits hohe Erlöse für den Staatsseckel generieren soll, andererseits aber soziale Unruhen vermeiden muss.
Hintergrund
Die Privatisierung ist Teil einer größeren Strategie. PAGCOR soll künftig nur noch als reine Regulierungsbehörde fungieren und nicht mehr gleichzeitig als Betreiber auftreten. Dieser Interessenkonflikt wird seit Jahren international kritisiert. Andere Märkte haben diesen Schritt bereits vollzogen, doch auf den Philippinen ist die Behörde ein bedeutender Arbeitgeber. Die Governance Commission for Government-Owned or -Controlled Corporations (GCG) prüft den Vorgang derzeit akribisch. Ohne deren Segen und die endgültige Unterschrift des philippinischen Präsidenten wird kein einziger Spieltisch den Besitzer wechseln. Die Knappheit an ausgebildetem Fachpersonal in der Region könnte dazu führen, dass Käufer zumindest das Kernpersonal auf freiwilliger Basis übernehmen, um den Betrieb nahtlos fortzuführen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Direkte Auswirkungen für Zocker in Deutschland gibt es kaum, da die Casino Filipino-Standorte physische Spielhallen in Asien sind. Dennoch zeigt die Debatte, wie wichtig klare rechtliche Strukturen sind. In Deutschland bildet der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) das Rückgrat der Branche. Hierzulande gibt es keine staatlich betriebenen Online-Casinos in dieser Form, die privatisiert werden müssten. Deutsche Spieler sollten sich immer an die GGL-Whitelist halten. Nur dort sind das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und die LUGAS-Überwachung gewährleistet. Im Gegensatz zu den Philippinen, wo man gerade versucht, Staat und Betrieb zu trennen, ist die Rolle der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) als reine Aufsicht von Anfang an klar definiert. Wer bei Anbietern ohne deutsche Lizenz spielt, etwa in Curacao-Casinos, verzichtet auf den strengen Schutz bei Einsatzlimits von einem Euro pro Spin und riskiert, bei rechtlichen Streitigkeiten völlig allein dazustehen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer Lizenz in Deutschland ist die Situation auf den Philippinen ein Lehrbeispiel für regulatorische Sauberkeit. In Deutschland wurde durch die GGL eine Umgebung geschaffen, in der Wettbewerb unter fairen Bedingungen stattfindet. Die Privatisierungswellen im Ausland könnten jedoch dazu führen, dass große internationale Konzerne, die derzeit in Asien investieren, ihre Portfolios umschichten. Sollten philippinische Casinoketten durch die Privatisierung effizienter werden, könnten deren Mutterkonzerne auch verstärkt auf den regulierten deutschen Markt drängen, um ihre Einnahmequellen zu diversifizieren. GGL-lizenzierte Anbieter müssen daher weiterhin auf hohe Qualität und strikte Compliance setzen, um gegen die globale Konkurrenz zu bestehen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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